Mittwoch , 22 September 2021
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Was macht eigentlich…Haile Gerima?

In unserer neuen Rubrik Was macht eigentlich…? erinnern wir an unsere Gäste aus vergangenen Jahren, stellen eine Auswahl ihrer bisherigen Projekte und Werke vor.

2011, als die Afrikanischen Filmtage München erstmals stattfanden, hatten wir den äthiopischen Filmemacher Haile Gerima zu Gast. Im Vortragsaal der Münchner Stadtbibliothek präsentierte er seinen Spielfilm Teza (Morgentau), der 2009 beim FESPACO in Ouagadougou mit dem Étalon de Yennenga zum besten Film gekürt wurde. Das 138minütige Drama erzählt die Geschichte des jungen Äthiopiers Anberber, der in Deutschland Medizin studiert hat. Als er in sein Herkunftsland zurückkehrt und dieses unter dem Regime Mengistus kaum wieder erkennt, beginnt er, sich an seine Kindheit zu erinnern. Den Trailer gibt‘s hier. Zudem ist Teza im trigon-film Shop auf DVD erhältlich.

Haile Gerima wurde 1946 in Gonder/Äthiopien geboren und studierte in den 1970er Jahren an der School of Theatre, Film and Television der University of California in Los Angeles (UCLA). Er gehört der sogenannten L.A. Black Rebellion an (auch bekannt als Los Angeles School of Black Filmmakers oder UCLA Rebellion) – einer Generation afrikanischer und afroamerikanischer Filmschaffender, die Ende der 1960er bis Ende der 1980er Jahre an der UCLA Film studierten und ein New Black Cinema als Alternative zum klassischen Hollywood Kino kreierten. Im Film- und Fernseharchiv der UCLA Bibliothek sind Haile Gerimas Spielfilme Hour Glass (1971), Harvest: 3,000 Years (1976), Ashes & Embers (1982) sowie Sankofa (1993) gelistet. Letzterer handelt von Mona, einem afroamerikanischen Model, das vor der Cape Coast Festung in Ghana – von wo aus bis ins 19. Jahrhundert hinein tausende afrikanischer Sklav*innen nach Übersee verschleppt wurden – für Aufnahmen posiert. Sankofa, der Titel des Films, entstammt der westafrikanischen Symbolsprache Adinkra und bedeutet soviel wie „in die Vergangenheit zurückkehren, sie dem Vergessen entreißen und sich der Zukunft zuwenden”. Folglich begibt sich Mona auf eine Reise in die Vergangenheit: Auf einer Zuckerrohrplantage verwandelt sie sich in die Haussklavin Shola, erlebt das Leid ihrer Vorfahr*innen und setzt sich erstmals mit ihrer afrikanischen Herkunft und Identität auseinander. Sankofa zählt zu den wenigen Werken, die die Verschleppung und Versklavung von Afrikaner*innen aus afrikanischer Sicht thematisieren und wurde beim FESPACO in Ouagadougou mit dem Preis für die beste Kamera ausgezeichnet. Eine restaurierte Version des Films auf DVD ist im trigon-film Shop erhältlich.

Gemeinsam mit seiner Frau Shirikiana Aina eröffnete Haile Gerima 1998 in Washington D.C. „Sankofa Video, Books & Café” – eine Buchhandlung, die sich auf Literatur und Filme von und über Menschen afrikanischer Herkunft spezialisiert hat, samt Café. Mit seinen Filmen über Emigration und Heimkehr, über (Neo)Kolonialismus, Sklaverei und Black Consciousness, ist Haile Gerima ein bedeutender Vertreter des Afrikanischen und Afroamerikanischen Kinos. Welch große Ehre, dass er 2011, bei den ersten Afrikanischen Filmtagen in München, unser Gast war.

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